CDU Essen OB Kandidatur

CDU Essen OB Kandidatur

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Friedhelm Kölsch

 

Liebe Leser, hier ist meine Rede zur OB Kandidatur vor den 180 CDU Delegierten in Essen. Die Veranstaltung hat am 20. März 2015 im Saalbau in Essen stattgefunden. Leider bin ich nicht gewählt worden, jedoch war es richtig anzutreten, weil ich so deutlich machen konnte, dass die CDU auch die Verantwortung hat, sich mit den Fehlentscheidungen der eigenen Politik auseinanderzusetzen. Es macht mir wirklich ein wenig Angst und ich bin auch in großer Sorge, dass die alte CDU Politik so unreformiert weitergeführt werden soll. Ich befürchte, dass es in Essen keinen Neuanfang geben wird und wir weiterhin 47000 Arbeitslose haben werden. Thomas Kufen, dem gewählten Kandidaten wünsche ich trotzdem alles Gute, aber auch den Mut, sich mit den Fehlern der CDU Politik auseinanderzusetzen.

Sehr geehrter Herr Britz, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Parteifreunde, mein Name ist Kölsch, Friedhelm Kölsch. Ein riesengroßer Vorteil der Demokratie ist, dass sie von unterschiedlichen Ideen, Meinungen, Vorstellungen und Personen lebt. Danke dafür, dass Sie mir hier die Möglichkeit geben, zu meiner OB Kandidatur Stellung zu nehmen. Die Neugierde der Ortsverbände im Vorfeld meiner Kandidatur hätte jedoch noch etwas reger sein können.

Jedoch habe ich für die Ortsverbände auch ein wenig Verständnis, weil der Stadtspiegel noch im Januar getitelt hat, dass ich wie aus dem Nichts gekommen sei. Zunächst hat mich diese Überschrift ein wenig schockiert, weil es mich schon seit 1956 gibt und ich bereits seit 1991 Parteimitglied bin. Mir fiel dann aber sofort Crocodile Dundee ein, der im australischen Dschungel auch immer wie aus dem Nichts kam und auf diese Weise eine ganze Gaunerbande festgesetzt hat. Crocodile Dundee hat mit dieser Methode wirklich einen hervorragenden Job gemacht. Die Gauner waren hinterher völlig verzweifelt und waren derart fertig, dass sie sogar dachten, zwei studierte Aborigines, die Freunde von Crocodile Dundee, würden immer noch Menschen fressen. An diesem Beispiel können Sie sehen, welche Auswirkungen es auf Menschen haben kann, wenn eine Person aus dem Nichts kommt. Aber mal Spaß beiseite.

Herr Kufen, ich trete hier nicht als Oberbürgermeisterkandidat für Essen an, um sie zu ärgern, sondern weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir in Deutschland und in Essen eine andere Politik brauchen. Erlauben Sie mir bitte, Sie noch einmal daran zu erinnern, dass der große Finanzcrash 2008 nur 6 Jahre nach der Euroeinführung kam. Ich frage Sie: Wer hat dafür die politische Verantwortung übernommen? Ich sage es Ihnen: Das waren Frau Niemand und Herr Keiner!

Mittlerweile hat Deutschland 2,2 Billionen Euro Schulden und in ganz Europa haben wir höchste Arbeitslosenquoten, obwohl wirtschaftspolitisch schon alle Register gezogen wurden.

Trotz all dieser Maßnahmen sind auch in Deutschland die Arbeitslosenzahlen hoch: 3 Millionen, 17 Tausend Arbeitslose, der niedrigste Stand in Deutschland im Februar seit 24 Jahren. Das Bemerkenswerte an diesen Zahlen ist aber, dass sie als Erfolgsmeldungen verkauft werden. Diese Zahlen entsprechen aber nicht der Realität. Lassen Sie mich dies an dem Beispiel Essen erklären.

In Essen wurden im Februar 36000 arbeitslose Menschen von der Statistik erfasst, aber in Wirklichkeit sind 47000 Menschen arbeitslos. 47000 arbeitslose Menschen nur in Essen. Volkswirtschaftlich gesehen benötigen wir deshalb dringend unser Stabilitätsgesetz zurück. Die deutsche Politik kann das Ziel hoher Beschäftigungsstand nicht außer Acht lassen. Für Vollbeschäftigung in Deutschland kann nicht Europa zuständig sein.

Als Oberbürgermeister von Essen würde ich mich sehr intensiv um die Lösung des Problems Arbeitslosigkeit kümmern. In der Lösung des Problems Arbeitslosigkeit würde ich eine meiner Hauptaufgaben sehen. Wir als Essener könnten der Arbeitslosenhochburg Nordrheinwestfalen zeigen, wie es gemacht wird. Dafür müssen wir uns alle anstrengen, uns bewegen und Opfer bringen. Es kann nicht alles bleiben wie es ist. Weiter wie bisher ist nicht ausreichend. Das ist ungenügend.

Um das Problem Arbeitslosigkeit  in Essen zu lösen, benötigen wir erstens eine Teilungsoffensive: In Essen gibt es ca. 220000 Beschäftigte und ca. 12000 Betriebe. Jeder Betrieb beschäftigt demnach durchschnittlich 17,5 Personen. Nehmen wir einmal an, jeder Betrieb würde 3 Halbtagsbeschäftigte zusätzlich einstellen, zu einem Kostenfaktor von 1500 € je Person, dann könnten wir 36000 Stellen sofort zur Verfügung stellen. Jeder Betrieb in Essen würde so mit 4500€ monatlich belastet.

Wir benötigen in Essen zweitens eine Existenzgründungsoffensive, weil Halbtagsstellen für die Menschen noch nicht ausreichend sind. Auch in diesem Bereich müssen wir alle Register ziehen. Wir benötigen Ideen an den Schulen, an den Universitäten, von jedem Essener Bürger und auch in den Betrieben benötigen wir die Freiheit, dass Menschen neben ihrem normalen Beruf auch noch Kleinunternehmer und selbständig sein können. Wir müssen unsere Unternehmerkultur in Essen optimieren. Das verbessert die Einnahmesituation in der Stadt und drängt die Verwaltung in eine richtige Proportion.

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Drittens benötigen wir eine Mobilitätsoffensive. Essener sollten sich zu den Arbeitsplätzen und zu den Kunden hinbewegen und wir benötigen auch eine ausgeglichene Pendlerbilanz. Die Fahrt zu Essener Arbeitsplätzen ist keine Einbahnstraße.

Viertens benötigen wir eine Bildungsoffensive, meine Vorstellung ist jedoch, dass Menschen vielmehr auch direkt am Arbeitsplatz eingewiesen und ausgebildet werden. Das ist die effektivste und kostengünstigste Methode. Auch hier benötigen wir mehr Bereitschaft und Bewegung bei den Arbeitgebern.

Fünftens sehe ich auch kein Problem darin, wenn Essen bei einer besonderen Teilungsoffensive die Essener Arbeitslosen bevorzugen würde. Die hohen Arbeitslosenzahlen in Essen sind unser Problem. Wir müssen dieses Problem lösen und nicht das Land oder der Bund oder Europa. Essen ist kein Verschiebebahnhof, sondern wir Essener stellen uns diesem Problem. Alle miteinander.

Sechstens müssten wir als Stadt eigentlich auch Investitionen tätigen, um mit öffentlichen Aufträgen ebenfalls Arbeitsplätze zu schaffen. Die hohe Verschuldung der Stadt mit mehr als 3 Milliarden Euro zeigt uns hier aber Grenzen auf.

Siebtens benötigen wir schließlich Früherkennung am Arbeitsmarkt. Es ist erforderlich, für jede Firma, für jede Branche und für jeden Stadtteil eine Stabilitätsaussage zu machen. So können wir jederzeit erkennen, welche Bedrohungen und Chancen der Essener Arbeitsmarkt bietet. Solche Erkenntnisse sind für den Bürger wichtig, sie sind aber vor allem auch für die Politik wichtig, um frühzeitig Maßnahmen einzuleiten und so die wirtschaftliche Situation einigermaßen zu beherrschen.

Die Politik in Nordrheinwestfalen ist in dieser Hinsicht ein einziges Armutszeugnis. Diese Politik ist unverantwortlich, unbeweglich, uneinsichtig und muss wirklich abgewählt werden.

Die Essener CDU muss ich jedoch auch einmal loben, weil sie in den letzten Wochen durchaus auch mit guten Aktionen aufgefallen ist: So hat die CDU Essen Kleiderspenden für die Christen im Nordirak gesammelt, sie hat auf den Red Hand Day aufmerksam gemacht, bei dem es um die Ächtung des Einsatzes von Kindersoldaten geht und wir haben Grundgesetze verteilt, um damit Salafisten an unsere im Grundgesetz garantierten Freiheiten zu erinnern. Schön wäre aber auch, wenn jedes CDU Mitglied schon einmal ein Evangelium oder die Psalmen gelesen hätte.

Als Oberbürgermeister würde ich jedenfalls eine enge Beziehung zu den christlichen Gemeinschaften in Essen suchen. Die christlichen Gemeinschaften sind auch gesellschaftliche Gruppierungen, die unsere Aufmerksamkeit benötigen. Das Christentum hat in Essen eine über 1000 jährige Geschichte und in Europa eine 2000 jährige Geschichte. Christen haben sich zu allen Zeiten um Arme gekümmert und um Witwen und Waisen, lange bevor es staatliche soziale Einrichtungen gegeben hat.  Christen haben das Schreiben und Lesen in Europa vorangetrieben, haben medizinische Klostergärten angelegt, haben Ärzte, Pastoren und Ingenieure hervorgebracht.

Die berühmtesten Wissenschaftler aller Zeiten waren Christen, wie Blaise Pascal, Louis Pasteur, Galileo Galilei, Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler, Isaac Newton, Wernher von Braun, James Maxwell usw. usw. Das alles waren Menschen, die nicht nur dreimal in ihrem Leben in der Kirche waren. Die christliche Kultur hat uns Freiheit, Gnade, Vergebungsbereitschaft, Gerechtigkeit, Wissenschaft und technischen Fortschritt gebracht und nicht etwa die Zeit der Aufklärung, wie manche Historiker uns dies gerne weismachen wollen.

Auch in Essen gibt es eine Vielzahl von christlichen Kindergärten, christlichen Krankenhäusern, christlichen Altenheimen und Pflegeeinrichtungen und eine Vielzahl von Kirchen. In dieser Angelegenheit bin ich wirklich parteiisch. Ein besseres Fundament, als ein christliches Fundament kann man einem Wähler nicht bieten.

Als Oberbürgermeister wäre es mir auch wichtig, dass Rot Weiß Essen wieder in der Bundesliga spielen würde. Eigentlich haben wir in Essen das Potential für zwei Bundesligamannschaften, aber irgendwo müssen wir anfangen. Ich glaube daran, dass Rot Weiß Essen noch vor Schalke 04 Deutscher Meister werden kann. Die Essener Frauen spielen ja schon in der Bundesliga und dies soll auch so bleiben.

Essen ist eine großartige und eine bedeutende Stadt. Sie haben heute eine Entscheidung zu treffen, welchen CDU Kandidaten Sie für die OB Wahl ins Rennen schicken wollen. Ich kann nur mit Ihrer Hilfe OB Kandidat werden. Wen Sie wählen,  ist aber Ihre Entscheidung und auch Ihre Verantwortung. Sie sind frei und unabhängig bei dieser Entscheidung. Ihre Entscheidung bewirkt aber den Unterschied.

Gott segne Sie und Gott schütze Essen und die Menschen in Essen, welche Entscheidung Sie auch immer treffen.

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Anmerkung: Dankbar bin ich dafür, dass die CDU Essen mich angehört hat und mir die Möglichkeit gegeben hat, meine Kandidatur zu begründen. Was mir nicht gefallen hat, ist die Tatsache, dass sich die CDU so wenig mit ihren eigenen Fehlern auseinandersetzt. Für Fehlentscheidungen muss man aber auch Verantwortung übernehmen. Was ich ebenfalls nicht gutheissen kann, ist die Tatsache, dass Herr Dr. Wolfgang Reiniger, Ex OB der Stadt Essen, in einem langen Statement sich für Thomas Kufen ausgesprochen hat. Dies alles zeigt mir, dass die CDU nicht wirklich einen Neuanfang will, sondern vielleicht immer noch glaubt, sie kann wie bisher weitermachen!? Die WAZ hat sich zu dem Auftritt von Wolfgang Reiniger ebenfalls geäußert. Diesen Artikel finden Sie unter dem folgenden Link: Artikel der WAZ…

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