Arbeit teilen

 

Arbeit teilen

Arbeit teilen
Familienbezogenes Teilen ist eine Möglichkeit

 

Um es gleich zu sagen, dass Teilen muss nicht neu erfunden werden, aber wir müssen anders teilen, als wir bisher geteilt haben. Vor allem die Gewerkschaften haben in der Vergangenheit immer wieder Arbeitszeitverkürzungen angemahnt. Wie ich finde zu Recht! Sie haben damit einen Teil ihrer beschäftigungspolitischen Verantwortung wahrgenommen. Arbeit teilen, heißt gleichzeitig auch Erwerbslosigkeit teilen. Das kann man auch an dem Beispiel Oberland sehen s.u. Natürlich müssen immer auch die volkswirtschaftlichen Gesamtzusammenhänge beachtet werden und es kann nicht jeder Job geteilt werden. Aber mit ein bisschen mehr Willen und Verantwortungsbewusstsein ist hier schon einiges machbar. Besser: Schaffen Sie sich doch selbst einen Arbeitsplatz!

Branchenbezogenes Teilen

  • Als in Folge der Finanzkrise im Jahr 2008 die Konjunktur eingebrochen ist, wurde in vielen Betrieben Kurzarbeit eingeführt. Dies wurde so zwischen Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und dem Staat abgesprochen. Der Staat hat in dieser Zeit einen Lohnausgleich an die Arbeitnehmer gezahlt. Durch diese Kurzarbeit z.B. in der Autobranche konnten viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Ebenso ist es möglich, in boomenden Branchen Überstunden abzubauen und neue Arbeitskräfte einzustellen. Diese Form des Teilens würde ich als branchenbezogenes Teilen bezeichnen.

Teilzeitarbeit

  • Teilzeitarbeit ist eine weitere Möglichkeit um Arbeit zu teilen. Gerade die Unternehmer müssen begreifen, dass sie die Vollbeschäftigung fördern, wenn sie Teilzeitarbeitsplätze anbieten. Wenn ich von Teilzeitarbeitsplätzen spreche, dann sind damit sozial abgesicherte Arbeitsplätze gemeint. Leider wurden in den vergangenen Jahren viele Stellen im Bereich des Einzelhandels in Teilzeitjobs umgewandelt. Hier muss meiner Meinung nach der Gesetzgeber eindeutige Regeln schaffen. Menschen, die nur einen Teilzeitjob machen wollen, sind vollbeschäftigt. Menschen, die eine Teilzeitarbeit ausüben, obwohl sie Vollzeit arbeiten wollen, sind teilzeitarbeitslos. Für einen Arbeitnehmer ist es schwierig und teuer, mehrere Teilzeitjobs auszuüben. Es ist deshalb schwierig und teuer, weil viel mehr Fahrzeit und Fahrgeld benötigt wird, um zu den Arbeitsstellen zu kommen.

Regionales Teilen

  • Volkswagen (VW)  hat vor einigen Jahren in der Stadt Wolfsburg mit der 4 Tage Woche und Lohnverzicht eine regionale Lösung geschaffen. So konnten alle Arbeitsplätze bei VW gesichert werden. Regionen mit einer niedrigen Arbeitslosenquote, also wirtschaftlich starke Regionen, können eher teilen, als strukturschwache Regionen. In strukturschwachen Regionen sollte deshalb der Existenzgründungsansatz im Vordergrund stehen. Tendenziell können Bayern, Baden Württemberg und Hessen eher teilen, während z.B. die neuen Bundesländer und das Ruhrgebiet mehr Unternehmen gründen müssen. In strukturstarken Regionen kann man auch einfach eine Quotenregelung vereinbaren. Dies könnte so aussehen, dass jeder Betrieb 5% mehr Leute einstellen muss. Im Gegenzug könnte man dieser Region z.B. bei der Zahlung von Arbeitslosenversicherung entgegenkommen. Die Arbeitslosenversicherung könnte abgesenkt werden oder ganz entfallen.

 Berufsbezogenes Teilen

  • Auch ein berufsbezogenes Teilen ist möglich –z.B. bei Betriebswirten, Pastoren, Ärzten, Lehrern, Wirtschaftsingenieuren. Gerade den Gutverdienenden sollte es möglich sein, beschäftigungspolitische Verantwortung zu übernehmen.

Arbeit teilen

Die beschäftigungspolitischen Lasten müssen auf alle gesellschaftlichen Gruppen verteilt werden. In einer Gesellschaft muss es auch legitim sein, von Zeit zu Zeit die bestehenden Gehaltsstrukturen zu überprüfen und gegebenenfalls im Sinne sozialer Gerechtigkeit zu korrigieren. Mir geht es um Gehaltsgerechtigkeit und nicht um Sozialismus oder Kommunismus. Wenn die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer, dann muss man feststellen, dass sich die Tarifautonomie in vielen Fällen eben nicht bewährt.

reich und arm

Das Teilen wird ja schon fleißig praktiziert. Leider werden aber bisher vorwiegend Geld in Form von Steuern und Versicherungsbeiträgen geteilt.  Die Bundesregierung plant für 2012 Sozialausgaben in Höhe von 132 Milliarden ein.  Dieses Geld wird für Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Weiterbildungsmaßnahmen u.a. verwendet. In Zukunft ist es erforderlich, mehr Arbeit zu teilen, auch wenn dies komplizierter ist als Geld zu teilen. Dies ist ein Weg, um der Vollbeschäftigung näher zu kommen.

Arbeit teilen muss aber nicht unbedingt auch Lohnverzicht bedeuten. Denn je mehr die Arbeitslosigkeit abgebaut würde, umso mehr könnte auch die Abgabenlast (Steuern + Arbeitslosenversicherung) eines Arbeitnehmers gesenkt werden. D.h. ein Arbeitnehmer könnte einige Stunden weniger arbeiten bei gleichem Nettoverdienst!

Der frühere Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller hat den Satz geprägt: „So viel Markt wie möglich und so viel staatliche Eingriffe wie nötig“.

Diesen Ausspruch kann ich voll unterstützen. Es gibt einfach einen Restarbeitsmarkt, der gesteuert und gelenkt werden muss.

Lenkrad

Ich halte jedoch nicht sehr viel von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und einem zweiten Arbeitsmarkt. Dies ist mir bereits zu viel Planwirtschaft. Ein Arbeitnehmer, der eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ausübt, verdient sein Geld nicht im Markt, sondern auf einer künstlich geschaffenen Stelle. Deshalb ist es richtig, die Arbeit, die durch Marktwirtschaft entsteht, mehr zu teilen.

Ich habe es selbst schon erlebt, dass Städte, die finanziell am Ende waren, Menschen über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beschäftigt haben. Der Vorteil für die Stadt liegt auf der Hand. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wird über die Arbeitsagentur finanziert. Daraus ergibt sich eine berechtigte Frage: Gibt es Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, weil die Menschen unqualifiziert sind oder weil die Stadt pleite ist?

Ein „zweiter Arbeitsmarkt“ wiederum muss meiner Meinung nach nur dafür herhalten, um Löhne nach unten zu drücken. Ende der 60er Jahre waren alle Arbeitnehmer im ersten Arbeitsmarkt beschäftigt, dies war damals überhaupt kein Problem. Insbesondere hat man auch als Arbeitnehmer kein gutes Gefühl, wenn man nur zweitklassig beschäftigt ist.

Was vielleicht noch ein wenig Sinn macht, wären Ersatzarbeitsplätze, in solchen Regionen in denen die regionalen strukturellen Verwerfungen besonders groß sind. So wären Bergleute im Ruhrgebiet bei Tunnelprojekten  einsetzbar, weil es dabei eine Ähnlichkeit zu ihrer bisherigen Tätigkeit geben würde.

Arbeit teilen

Stellenbezogenes Teilen

Arbeit teilen

Eine weitere Möglichkeit Arbeit zu teilen  ist, wenn Menschen, die weniger arbeiten wollen und mehr Zeit benötigen, sich eine Arbeitsstelle teilen. In dem folgenden Beitrag berichten vier Job-Sharing Pärchen: Wir sind eine Qualitätsentwicklerin, wir sind eine Abteilungsleiterin, wir sind ein Filialleiter, wir sind eine Event-Managerin. Job Sharing

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Familienbezogenes Teilen

Eine weitere Möglichkeit ist, Arbeit innerhalb der Familie aufzuteilen. Dies ist eine sehr alte und bewährte Form der Arbeitsteilung. Denken Sie bitte an die klassische Rollenaufteilung: Der Mann geht einer Erwerbstätigkeit nach, die Frau macht den vielseitigen Job der Hausfrau, Köchin, Pädagogin, Leiterin, Erzieherin usw. Denken Sie aber bitte auch an Unternehmerfamilien, Bauernfamilien, Pastorenfamilien, Apothekerfamilien, Ärztefamilien, Bankerfamilien, KFZ-Familien, Schlosserfamilien usw. Solche Modelle zeigen, dass sehr viel Wissen direkt innerhalb und durch die Familie weitergegeben wird.

Ihre Meinung interessiert mich: Was halten Sie von der Möglichkeit Arbeit zu teilen? Was sagen Sie zu der These arbeitsfrei statt arbeitslos? Wie stellen Sie sich die Arbeit der Zukunft vor? Bitte schreiben Sie direkt hier einen Kommentar.

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Ich würde mich besonders darüber freuen, wenn Sie diesen Beitrag weiterposten würden. Danke.

Liebe Grüße,

Friedhelm Kölsch

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